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Der Auftrag (Drama in einem Akt)

Opa Konstantin erzählt mal wieder von früher („wir hatten ja gar nix!“) und auf fokussiert.com läuft eine Diskussion über Experten-Habitus im Allgemeinen und im Besonderen. Dieses Zusammentreffen der Themen „Damals“ und „Profi“ hat mich an ein fast vergessenes Werk von zeitloser Tiefgründigkeit erinnert, welches ich kurz nach der Jahrtausendwende verbrochenfasst habe, zu einer Zeit, als plötzlich jeder Schrauber zum „Webdesigner“ und jede Schilderbude zur Marketing-Agentur wurde.

Ein guter Zeitpunkt, es wieder mal aus der Schublade zu kramen und ans gleißende Licht der Öffentlichkeit zu zerren. Denn soo viel hat sich seit dem ja gar nicht verändert ...


DER AUFTRAG (Drama in einem Akt)

Personen:

M., Webdesigner, Mitte 20, Nike-Turnschuhe, Jeans und Lacoste-Shirt
S., Handwerker, Anfang 50, Arbeitsschuhe, Flanellhemd und Blaumann

Ort: Eine Kleinstadt in D.

Zeit: Gegenwart [so um 2001/2002]


ERSTER UND EINZIGER AKT

[Vorhang geht hoch: Ein schäbiges Büro, schnummriges Licht, durch Zigarettenqualm zusätzlich vernebelt, mehrere Computerbildschirme, zugemüllter Schreibtisch, Gläser, Kaffetassen, volle Aschenbecher, überall liegen Fachbücher und -zeitschriften gestapelt.]

M. [sitzt am Schreibtisch und haut mit der flachen Hand auf den Monitor]: "Mist!"

[Es klopft, S. steckt den Kopf durch die Tür]

S.: "Guten Tag, bin ich hier richtig? Der Handwerker, ich hatte angerufen ..."

M [springt auf]: "Aber sicher, immer rein in die gute Stube! [schüttelt S. die Hand] Schön, dass Sie doch noch kommen konnten!"

S. [tritt ein]: "Ja, also, man hat mir gesagt ..."

M. [lacht gönnerhaft]: "Ja ja, ich weiß schon, Sie wollen auch endlich ins Netz. Goldrichtige Entscheidung. Geht ja gar nicht mehr anders, heutzutage. Gerade als Handwerker! No Problem, da sind Sie bei mir genau richtig!"

S.: "Ja, schon, aber ..."

M.: "Naa, nicht gleich so negativ. Tut doch nicht weh! [lacht und klopft S. jovial auf die Schulter] Am besten, Sie setzen sich erst mal." [drückt S. auf den Besucherstuhl]

S. [lächelt gequält]: "Wenn Sie meinen ..."

M.: "No Problem. [setzt sich auch] Käffchen?"

S.: "Nein, danke, aber wenn Sie vielleicht ein Bier ...?"

M.: "Haach, zu dumm, hab' gerade heute Morgen das letzte getrunken, sorry" [zuckt bedauernd die Schultern]

S.: "Macht nichts, ich wollte ja sowieso ..."

M.: "Genau mein Motto, keine Zeit vergeuden, am besten gleich gleich zur Sache kommen. [lacht] Wo lassen Sie denn hosten?"

S.: "Äh, was bitte?"

M.: "Na Hosting, Webspace, virtueller Server - Sie wissen schon."

S. [verwirrt]: "Also, äh - so auf Anhieb ..."

M. [mitleidiger Blick]: "Ach so, verstehe ... [dann kumpelhaft:] Na, macht ja nix. Ich kümmere mich um alles, no Problem. Full Service sozusagen [verschwörerisch:] Ich hab da einen Provider an der Hand - Top-Sörver, sag ich Ihnen: Pe-Ha-Pee, Mai-es-kuh-ell, Pörl, Pe-oh-pee und Speicher ohne Ende. Und Kronndschobbs. Und freie Ze-ge-ihs, da können Sie coden, bis der Arzt kommt. [lacht] Und der Hammer: Mit echter Ai-Pih! Läuft natürlich alles auf Linux."

S.: "Na ja ..."

M. [kühl]: "Hm, wenn's unbedingt sein muss, geht auch Windows ..."

S. [freudig]: "Windows kenn' ich!"

M. [pikiert]: "Na bitte - no Problem. [sammelt sich] Wie soll sie denn eigentlich heißen?"

S.: "Wer?"

M.: "Na, die Domain"

S.: "Tja, also, da weiß ich jetzt gar nicht ..."

M.: "No Problem. Da fällt mir schon noch was ein. Ich tscheck das nachher mal beim Deenick. Was halten Sie von nem Fläsch-Intro?"

S.: "Was ich - nun ja ..."

M.: "Fläsch ist absolut in. [insistierend:] Wenn man was richtig Innovatives haben will ..."

S. [lächelt unsicher]: "Wer will das nicht."

M. [frohlockt]: "Genau die richtige Einstellung, so ist's recht. [zerrt eifrig ein Notebook unter einem Stapel Zeitschriften hervor und klappt es auf] Ich zeig' Ihnen da mal was. Vielleicht doch 'n Käffchen?" [vertieft sich in sein Notebook]

S.: [schüttelt den Kopf, murmelt]: "Danke."

[Stille]

M.: "Ach, da isse ja!

S. [dreht sich zur Tür]: "Wer?"

M. [voller Stolz]: "Hier, das Fläsch-Intro, ist das nicht megacool? Hat mich volle drei Tage gekostet! [sieht S. erwartungsvoll an]

S.: "Mhmm, nett ..."

M. [erbost]: "Nett? Das ist der absolute Hammer! [gönnerhaft:] Na ja, Sie kennen sich halt nicht so aus."

S.: "Nein."

M. [besänftigt]: Also, dann machen wir das so. [zählt an den Fingern ab] Erstens Fläsch-Intro, dann die eigentliche Hompäidsch mit animierter Jott-Ess-Navi und fünf Seiten ..."

S. [irritiert]: "Fünf Seiten?"

M. [großzügig]: "Okay, sechs. No Problem. Plus Ze-ge-ih-Mäil mit allen Schikanen! Brauchen Sie einen Schopp?"

S.: "Einen - äh, nein, nicht, dass ich wüsste ..."

M. [ungebremst]: "Aber ein Gästebuch. Gästebuch kommt immer gut. Das sollte man auf jeden Fall haben. [erklärend:] Schon wegen dem Fiedbäck."

S. [blickt nervös auf die Uhr]: "Wenn Sie es sagen ..."

M.: "Genau, vertrauen Sie mir. Ich bin Experte, ich kenn mich da aus. Also ... [grabscht nach einem Zettel und notiert] Ein mal Fläsch-Intro, Hompäidsch, Jott-Ess-Navi, fünf Seiten ..."

S.: "Sechs!"

M.: "Was? Ach ja, SECHS Seiten, Pe-ha-pe, Ce-ge-iih-Formular, Gästebuch ... - Datenbank?"

S.: [zuckt mit den Schultern]

M.: "Also mit Datenbank. Kann man immer brauchen."

S.: "Sicher. Wir müssten aber jetzt mal kurz über ..."

M.: "Die Kosten, klar, no Problem, Meister [überfliegt den Zettel] Mit schlappen vier Mille sind Sie dabei!"

S.: [überrascht]: "So viel?"

M.: (beleidigt): "Also, hören Sie, ich bin schließlich Profi! Haben Sie eine Ahnung, wieviel Arbeit da drin steckt? Das haben Sie doch ruck zuck wieder raus! [beschwörend:] Ist doch Marketing!"

S.: [blickt auf seine Armbanduhr]: "Schon, aber ich müsste jetzt sowieso ..."

M.: "Na schön, tausend, weil Sie es sind. Aber dann ohne Fläsch!"

S.: "Wie, ohne Fläsch?"

M. [seufzt]: "Also schön, mit Fläsch. Aber ohne Datenbank!

S. [steht auf]: "Wie Sie meinen. Ich muss aber jetzt wirklich ..."

M. [springt auf, verzweifelt]: "Aber Sie müssen doch ins Internet! [stammelt] Das ... Das müssen doch alle. Ich bin wirklich gut. Ich kann echt super programmieren. Soll ich Ihnen noch mehr zeigen? Wie wär's mit rot? Ich habe da mal ein geiles Läiaut in rot gemacht. Oder mögen Sie etwa kein rot? ...

S. [tastet sich ängstlich zur Tür]: "Äh, doch, rot ist schön. Aber ...

M. [klammert sich an S. fest]: "Fünfhundert! Mein letztes Wort! In rot! Und ein Jahr Service!"

S. [schlägt panisch um sich]: "Lassen Sie mich los!"

M. [sinkt verzweifelt zu Boden]: "Sie können doch jetzt nicht einfach gehen. Warum sind Sie denn überhaupt gekommen, wenn Sie doch keine Internet-Seiten von mir wollen? Wir hatten doch telefoniert!" [weint bitterlich]

S. [verharrt überrascht]: Äh, das muss wohl jemand anders gewesen sein. Ich bin Installateur und sollte im Auftrag der Hausverwaltung nach der Heizung sehen!"

M.: [stiert S. mit irrem Blick verständnislos an]

S. [tröstend]: "Das wird schon wieder." [geht ab]

[M. sinkt schluchzend vollends zu Boden]

Vorhang ...

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Meisterhaft mappen auf dem iPhone

Mindmeister, mein Lieblings-Mindmapper im Web, ist jetzt auch als App für iPhone und iPod touch zu haben. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob es klug war, die Software selbst kostenpflichtig zu machen, statt sie bspw. an einen kostenpflichtigen Account zu binden, aber die Jungs werden sich schon was dabei gedacht haben. Mir ist es die 5,49 Euro jeden Fall wert, ich werde das am Wochenende mal testen.

Und sollten sich die anhaltenden Gerüchte um einen iPod Touch im Großformat tatsächlich bewahrheiten, dann wären solche Apps zweifellos die Gewinner.

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Intimität der Kommunikation in 10 Stufen

Quelle: Please Enjoy, gefunden bei Klaus Eck. Dort wird in den Kommentaren auch über einzelne Platzierungen diskutiert und altklug angemerkt, dass sich die Intimität einer Kommunikation doch wohl eher aus den Inhalten und der Beziehung zum Kommunikationspartner ergäbe. Logisch. Wenn ich mich im Supermarkt lautstark mit der Kassiererin streite, dann ist das sicher deutlich weniger intim als eine Liebeserklärung via Twitter. Aber hier geht es ja um Medien und ihr artbedingtes Potenzial. Und dazu finde ich die Darstellung sehr schön und treffend. Was man draus macht, ist wie immer eine ganz andere Sache und jedem selbst überlassen.

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Neulich an der Küste

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Frauen sind doch nicht anders

In der Liebe wirkt der Urtrieb. Frauen suchen sich nach wie vor Männer, die gut verdienen und ihnen Sicherheit bieten können. In einer unserer Studien sollten Frauen verschiedene Männer bewerten. Erst trugen die Männer die Uniform von Burger King. Die Frauen sollten angeben, wen sie attraktiv finden. Keiner hatte eine Chance. Später trugen dieselben Männer feine Business-Anzüge mit einer teuren Uhr am Arm. Sie waren alle sexy.

... Erzählt die Psychologin und Bestseller-Autorin Susan Pinker in einem SZ-Interview.

Aber wieso braucht man dafür eine Studie? Hätte ich ihr auch so sagen können. ;-)

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Danke, Steffi!

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben, wie man weiß. Und diese ist besonders gut.

Da ist eine Sportlerin, nennen wir sie Steffi, talentiert und schon in jungen Jahren recht erfolgreich, dann aber immer wieder zurückgeworfen durch Verletzungen und rätselhafte Leistungseinbrüche bei wichtigen Wettkämpfen. Die Nerven? Vielleicht. Erst mit Ende Zwanzig gelingt ihr der internationale Durchbruch. Ein dankbarer vierter Platz bei Olympia. Na bitte, es geht doch.

Und es geht noch besser. In den folgenden Jahren reiht sich Erfolg an Erfolg: Europameisterin, zweite und dritte Plätze bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen - das kann sich sehen lassen. Plötzlich interessieren sich auch die Medien für sie. Steffi spielt mit, lässt sich aber nie vereinnahmen. Sympathisch, intelligent und schlagfertig nutzt sie ihre Popularität nicht nur in eigener Sache, sondern auch als Botschafterin des Behindertensports. Sie wird mehrfach ausgezeichnet für ihre Fairness, ihr soziales Engagement und ihre vorbildliche Einstellung. Sie ist das, was man eine Vorzeige-Sportlerin nennt. Eine Persönlichkeit. Intelligent, selbstbewusst und engagiert.

Nur der ganz große sportliche Coup, bei Weltmeisterschaft oder Olympiade einmal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, will ihr einfach nicht gelingen. Irgendeine ist immer besser. Da kann man nichts machen. The winner takes it all. Steffi hat sich damit abgefunden, weiß, dass es mit jedem Jahr schwieriger wird. Der Ehrgeiz ist nach wie vor da, aber nicht krankhaft. Es gibt wichtigere Dinge. Noch wichtigere. Und irgendwann muss ja mal Schluss sein.

Dann, mit 37, also der letzte große Wettkampf. Weltmeisterschaft im eigenen Land. Da will sie noch mal alles geben, möglichst viel Wettkampfatmosphäre aufsaugen und ihre großartige Karriere mit einem guten Ergebnis würdig beenden. Sie ist wie immer gut vorbereitet, und wer weiß, wenn's optimal läuft - vielleicht klappt's ja sogar nochmal mit einer Medaille. Das wäre doch ein schöner Abschluss.

Und das Unglaubliche geschieht. An diesem Tag ist keine besser als sie. Steffi wird Weltmeisterin. Zum ersten Mal, in ihrem letzten Wettkampf. Als eigentlich niemand mehr ernsthaft daran geglaubt hat. Eine kleine Sensation - und eine große Story. Die Medien werden sie „Gold-Mädel“ und „Unsere Steffi“ nennen, sie vor Fernsehkameras und Fotoapparate zerren, sie immer und immer wieder nach ihrem Gefühlsleben befragen, hastig zusammengeschnittene Portraits senden und nicht geführte Interviews mit ihr veröffentlichen. The winner takes it all. Sie wird das alles geduldig ertragen. Und in ein paar Tagen wieder auf dem Trainingsplatz stehen. Als Diplomsportlehrerin in der Behindertenabteilung ihres Heimatvereins. Dort, wo das echte Leben stattfindet.

Ich sage nur: Herzlichen Glückwunsch, Steffi Nerius, zum Weltmeistertitel. Selten habe ich es jemandem so gegönnt wie Ihnen. Ich - nein, wir werden Sie vermissen!

http://www.steffi-nerius.de

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Humor: Nicht von dieser Welt

Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer alias Hannilein hat in Berlin seinen neuen Film mit dem programmatischen Titel „Isch kandidiere“ vorgestellt. Hajo Schumacher war dabei und lässt uns in einem offenen Brief an seiner Empörung ob dieses Frevels teilhaben. Ein Auszug:

Zwei Punkte unterscheiden Sie von einem richtigen Politiker. Erstens: das Ziel. Sie wollen dieses Land nicht besser machen, gestalten oder opponieren - Sie wollen einfach nur Filmtickets verkaufen und Werbeverträge einheimsen. Das Land, die Bürger und ihre Probleme sind Ihnen egal; [...]

„Heul doch!“ möchte man da genervt rufen. Ich kenne besagten Film nicht und er ist mir auch egal. Aber wie kann man denn einem Komiker, der einen Politiker spielt, vorwerfen, dass er ja gar nicht ernsthaft an Politik, sondern nur an Komik interessiert wäre? Ja, geht's noch?

Und wer veröffentlicht sowas? Na klar, Welt online.

[EDIT:] Und N24. Die haben das peinliche Pamphlet sogar verfílmt, wie ich bei Stefan Niggemeier erfahren habe.

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Museum mit Bimmelbahn für 320 Mio. Euro

Zwar ändert all dies weiterhin nichts daran, dass auf den anderen U-Bahn-Linien mehr los ist. Dennoch bezeichnet Reetz die U 55 als „großartigen Erfolg“. Dafür hat sie zwei Erklärungen. „Im U-Bahnhof Brandenburger Tor locken die wunderbaren Ausstellungen über die Mauer und die Geschichte des Tores viele Menschen an. Und wer schon mal da ist, der fährt oft auch eine Runde“, sagte die Sprecherin. Auch gestern waren in der Station unterm Pariser Platz wieder viele „Seh-Leute“ unterwegs. „Das ist hier wie in einem Museum der Berliner Geschichte“, lobte einer der Besucher, Helmut Rose aus Tiergarten.

Via Berliner Zeitung

Wie heißt es im Internet-Slang so schön: LOL. Wird Zeit, dass ich auch mal 'ne Runde auf der 320-Millionen-Euro-Bahn drehe. Just for fun.

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Neulich im Kiez

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Des Pudels Kern

Stellen Sie sich einfach mal vor, es gäbe Google nicht. Würde ein einziger Verlag dann besser dastehen? Nein, im Gegenteil.

via SPIEGELonline

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