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Bahn: Studie belegt, was alle wussten

Was Kritiker vorausgesagt haben, belegt jetzt eine Studie: Das 2006 mit einem Milliardenaufwand verwirklichte neue Bahnkonzept, dessen Herz der Hauptbahnhof mit dem Nord-Süd-Tunnel bildet, hat dazu geführt, dass mehr als 65 Prozent der Berliner mehr Zeit benötigen, um einen Fernzug zu erreichen. [...] Nachteilig ausgewirkt hat sich hier, dass die Bahn seit der Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs keine Fernzüge mehr im Bahnhof Zoo halten lässt.


Der entscheidende Hinweis findet sich gleich im ersten Satz. Wobei mit "Kritiker" hier keine Einzelpersonen gemeint sind, sondern ein großer Teil der Bevölkerung Berlins sowie sämtliche mit Stadt- und Verkehrsplanung befassten Fachleute.

Und hier geht es nur um die Auswirkungen auf die Bewohner der Stadt. Berlin-Besucher, die zu einem großen Teil die City-West zum Ziel hatten und entsprechend am Bahnhof Zoo ausgestiegen sind, haben ebenfalls deutliche Nachteile. Denn die müssen jetzt vom im infrastrukturellen Niemandsland liegenden Hauptbahnhof auf der selben Strecke mit der S-Bahn zurückfahren. So denn eine fährt ...

[...] Offiziell begründete die Bahn diesen Beschluss mit Fahrplanzwängen. In kleiner Runde gab Mehdorn aber zu, dass die Fahrgäste vom Bahnhof Zoo gezwungen werden sollen, im Hauptbahnhof ein- und auszusteigen, weil die Läden und Geschäfte in dem Milliardenbau Kunden brauchen.


Die Formulierung klingt für mich zwar etwas erfunden, aber der Sachverhalt an sich steht außer Frage.Die Vermietung der vielen, gewiss nicht billigen Läden in einem nur unzureichend ans Nahverkehrsnetz angebundenen Hauptbahnhof wäre sicher schwierig geworden, wenn man nicht den Fernverkehr dort konzentriert und auf diese Weise für deutlich höhere Besucherfrequenzen gesorgt hätte. Potenzielle Mieter sollen seinerzeit auch mit genau diesem Argument überzeugt worden sein.

Aber so ist das, wenn man Staatsbetriebe mit entscheidender Bedeutung für die Infrastruktur des Landes in die Hände von Technokraten mit ausgeprägter Gutsherren-Mentalität legt. Einzige Vorgabe: Privatisieren und an der Börse zu Geld machen. Hat mit Zumwinkel und der Post ja auch gut geklappt. Gestutzt, zerrupft, verramscht. Eigentlich unfassbar, wie viel Kompetenz, Vertrauen und Image da innerhalb kürzester Zeit verspielt wurde.

Herr Mehdorn soll sich dem Vernehmen nach inzwischen übrigens bei Morgan Stanley ein Zubrot verdienen: Als Berater für Verkehrsprojekte.

Quelle: Tagesspiegel

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