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Ablass- schlägt Einzelhandel

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden: Der Sonntag bleibt heilig. Auch in Berlin, diesem gottlosen Moloch. "Ein Geschenk an die Gesellschaft" nennt das Katrin Göring-Eckardt, Bundestagsabgeordnete der Grünen und im Nebenberuf - jetzt bitte gut konzentrieren - "Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland".

Was sagt man, wenn man was geschenkt bekommt? Genau: Danke! Aber - so ganz unter uns: Wenn ich mich zwischen Kirche und Konsum entscheiden müsste, dann würde ich zu allen Zeiten lieber shoppen gehen. Die Wahl habe ich jetzt allerdings nicht mehr. Also doch fernsehen.

Na ja, ich selbst brauche den verkaufsoffenen Sonntag nicht unbedingt, bin allerdings sseit jeher der Meinung, dass man es einem Händler selbst überlassen sollte, wann er seinen Laden öffnet. Und seinen Kunden, wann sie bei ihm kaufen. Der gesunde Menschenverstand legt zudem nahe, beides in Einklang zu bringen.

Aber die Kirchen wussten ja schon immer am besten, was gut für uns ist.

Und die Gewerkschaft? Wenn's nach der ginge, würde die 18:30-Uhr-Regelung aus der Weimarer Republik noch heute gelten. Anstatt die seit den 1990er Jahren regelmäßig geführten Diskussionen um Lockerungen der Ladenöffnungszeiten dafür zu nutzen, Vorteile für die Beschäftigten herauszuschlagen, hat man sich wieder mal darauf beschränkt, einfach nur dagegen zu sein. Das Ergebnis ist bekannt.

Ein häufig genanntes Argument aller Gegner war, dass sich eine Verlängerung der Öffnungszeiten eh nicht lohnen würde, da keine nennenswerten Mehrumsätze zu erwarten wären. Abgesehen davon, dass es dazu auch andere Meinungen gibt: Dieser Punkt ist völlig irrelevant. Denn es wird ja niemand gezwungen, von 6 bis 22 Uhr zu öffnen. Es geht vielmehr darum, einen Händler selbst entscheiden zu lassen, wann es sich für ihn lohnt und wann nicht.

Aber das wäre ja viel zu einfach. Wo wir Deutsche doch Gesetze, Paragraphen und Verordnungen so lieben.

Nachtrag: Eigentlich sollte der Text schon letzte Woche hier erscheinen. Keine Ahnung, warum das nicht geklappt hat. Na ja, egal, liest ja eh keiner. ;-)

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Mit Arsch in der Hose zum Discounter

Die Neu-Bundestagsabgeordnete der Linken, Halina Wawzyniak, erzählt in ihrem Blog von einem Laptop-Kauf bei Saturn:

Als ich die Rechnungsadresse des Bundestages angab wurde ich gefragt, ob ich da arbeite. Als ich dies bejahte wurde mir ein 10%iger Rabatt angeboten. Das fand ich dann doch unverschämt und habe gesagt, dass ich diesen Rabatt nicht möchte.

Ja, das kann man so oder so sehen. Hier handelt es sich ja offensichtlich nicht um einen persönlichen Rabatt, aus dem man irgendwelche Abhängigkeiten ableiten könnte, sondern um einen organisationsbezogenen, der wahrscheinlich auch anderen größeren Organisationen und Unternehmen eingeräumt wird. Und da die Sachleistungskonten der Abgeordneten ja wohl aus Steuermitteln bestückt werden, könnte man auch sagen, dass hier einfach mal Geld des Steuerzahlers verschenkt wurde.

Zugegeben, in der Situation sicher keine leichte Entscheidung, aber - hey, solche Probleme - nehme ich den gebotenen Rabatt an oder nicht? - hätte unsereiner doch gerne.

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Bahn: Studie belegt, was alle wussten

Was Kritiker vorausgesagt haben, belegt jetzt eine Studie: Das 2006 mit einem Milliardenaufwand verwirklichte neue Bahnkonzept, dessen Herz der Hauptbahnhof mit dem Nord-Süd-Tunnel bildet, hat dazu geführt, dass mehr als 65 Prozent der Berliner mehr Zeit benötigen, um einen Fernzug zu erreichen. [...] Nachteilig ausgewirkt hat sich hier, dass die Bahn seit der Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs keine Fernzüge mehr im Bahnhof Zoo halten lässt.


Der entscheidende Hinweis findet sich gleich im ersten Satz. Wobei mit "Kritiker" hier keine Einzelpersonen gemeint sind, sondern ein großer Teil der Bevölkerung Berlins sowie sämtliche mit Stadt- und Verkehrsplanung befassten Fachleute.

Und hier geht es nur um die Auswirkungen auf die Bewohner der Stadt. Berlin-Besucher, die zu einem großen Teil die City-West zum Ziel hatten und entsprechend am Bahnhof Zoo ausgestiegen sind, haben ebenfalls deutliche Nachteile. Denn die müssen jetzt vom im infrastrukturellen Niemandsland liegenden Hauptbahnhof auf der selben Strecke mit der S-Bahn zurückfahren. So denn eine fährt ...

[...] Offiziell begründete die Bahn diesen Beschluss mit Fahrplanzwängen. In kleiner Runde gab Mehdorn aber zu, dass die Fahrgäste vom Bahnhof Zoo gezwungen werden sollen, im Hauptbahnhof ein- und auszusteigen, weil die Läden und Geschäfte in dem Milliardenbau Kunden brauchen.


Die Formulierung klingt für mich zwar etwas erfunden, aber der Sachverhalt an sich steht außer Frage.Die Vermietung der vielen, gewiss nicht billigen Läden in einem nur unzureichend ans Nahverkehrsnetz angebundenen Hauptbahnhof wäre sicher schwierig geworden, wenn man nicht den Fernverkehr dort konzentriert und auf diese Weise für deutlich höhere Besucherfrequenzen gesorgt hätte. Potenzielle Mieter sollen seinerzeit auch mit genau diesem Argument überzeugt worden sein.

Aber so ist das, wenn man Staatsbetriebe mit entscheidender Bedeutung für die Infrastruktur des Landes in die Hände von Technokraten mit ausgeprägter Gutsherren-Mentalität legt. Einzige Vorgabe: Privatisieren und an der Börse zu Geld machen. Hat mit Zumwinkel und der Post ja auch gut geklappt. Gestutzt, zerrupft, verramscht. Eigentlich unfassbar, wie viel Kompetenz, Vertrauen und Image da innerhalb kürzester Zeit verspielt wurde.

Herr Mehdorn soll sich dem Vernehmen nach inzwischen übrigens bei Morgan Stanley ein Zubrot verdienen: Als Berater für Verkehrsprojekte.

Quelle: Tagesspiegel

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S-Bahn Berlin: Die Wut fährt mit

"Ohne Witz, wenn es jetzt gerade eine Fahrkartenkontrolle gäbe, ich glaube, die Kontrolleure würden massakriert."

 

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S-Bahn Berlin: Mehdorns Vermächtnis

Scharfe Kritik kommt mittlerweile aber auch von der Bundesregierung: Das Unternehmen werde seiner Verantwortung für einen reibungslosen Verkehr offensichtlich nicht gerecht, sagte der Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, Rainer Lingenthal, am Mittwoch in Berlin: "Wir erwarten einen Wechsel in der Politik der Bahn." Er frage sich, wann in der Stadt wieder Zustände herrschten, "die der westlichen Zivilisation angemessen sind“.

via spiegel.de

Dazu dann allerdings dieser Aufmacher:

Das Bild zeigt zwar irgendeinen Zug, aber ganz sicher keine Berliner S-Bahn.

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All you can buy (2)

Vor kurzem hatte ich ja schon mal über einen Fall erstaunlicher Ignoranz eines Webshop-Betreibers gegenüber Anfragen potentieller Kunden berichtet. Gestern nun ein neuer Fall, etwas anders gelagert, aber nicht minder erstaunlich.

Kurze Vorgeschichte: Demnächst ist bei mir ein neuer Rechner fällig. Vielleicht sogar in Kürze. Ich bin allerdings unschlüssig, ob es wieder ein Mac wird. Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, habe ich mich im Netz mal über Konfigurationen, Preise und Bezugsmöglichkeiten informiert. Eine meiner Anlaufstellen war ein kleinerer Mac-Händler mit zwei Filialen in Berlin, eine davon quasi hier bei mir um die Ecke. Ich habe dort auch schon ein paar mal was gekauft. Software, Tastatur, USB-Hub - Kleinkram halt. Persönlich bekannt bin ich in dem Laden nicht. Nun hat dieser Händler auch einen Webshop, was lag also näher, sich da mal über aktuelle Mac-Angebote zu informieren. Denn wenn ich mich doch wieder für Apple entscheiden sollte, dann ist es ja von Vorteil, den Lieferanten in der Nähe zu haben. Und preislich nehmen sich die Anbieter ja sowieso nicht viel.

Ich habe also besagte Website besucht und bin dabei so ganz nebenbei über ein sehr günstiges Angebot für eine kleine, externe Festplatte gestolpert. Die würde gut zu meinem Netbook passen. Da ich aus eigener Erfahrung nun aber weiß, dass in dieser Filiale verständlicherweise nicht immer alle Artikel vorrätig sind, schrieb ich eine kurze Mail:

Schönen guten Tag,

bei der Suche nach aktuellen iMac-Angeboten habe ich in Ihrem Online-Store die [Festplatte] entdeckt. Ist es möglich, zwei Stück vorzubestellen und in den nächsten Tagen in der [Filiale] abzuholen? Oder sind sie dort gar vorrätig?

Und wenn ich gerade dabei bin: Liefern Sie neue iMacs mit Snow Leopard aus?

Beste Grüße

[komplette Signatur mit Adresse, Telefonnummer usw.]


Die Antwort des Geschäftsführers(!) ließ auch nicht lange auf sich warten (knapp 2 Stunden). Wortlaut (sic!):

HALLO DIE PLATTEN SIND VORRÄTIG

Das war's. Ende der Durchsage. Gut, die für mich in dem Moment wichtigste Frage war beantwortet, insofern will ich mich gar nicht beklagen. Aber - du lieber Himmel, da war doch viel mehr drin!

Ich selbst wäre mit Sicherheit ein lausiger Verkäufer, aber wenn ich in der Funktion so eine Mail bekäme, dann würde ich hellhörig und würde nicht nur die zweite Frage nach dem iMac beantworten, sondern das auch noch mit einem Angebot verbinden. Oder mit einer Einladung, sich das neue Betriebssystem doch mal live anzusehen. Oder was auch immer. Es gäbe da wirklich unendlich viele Möglichkeiten.

Und wenn man's mit dem Schreiben vielleicht nicht so hat, dann greift man eben zum Telefon und ruft den Interessenten schnell mal an. Das wäre im gegebenen Zusammenhang völlig in Ordnung gewesen, schließlich hatte ich ja eine Frage gestellt und meine kompletten Kontaktdaten angegeben.

Aber nein. Nichts von alledem. Die Platten sind vorrätig. Immerhin. Ich werde wohl eine kaufen. Es ist aber tatsächlich gut möglich, dass ich mich bei einer geschickten, positiven Herangehensweise des Verkäufers auch von mehr hätte überzeugen lassen. Vielleicht habe ich mir das in meiner Unentschlossenheit sogar gewünscht. Als Kunde funktionieren bei mir ja die selben Mechanismen wie bei allen anderen.

Aber das werden wir jetzt wohl nicht mehr herausfinden. Es ist wirklich ein Trauerspiel. Daran, dass im Internet Leute zu Verkäufern werden, die eigentlich gar nicht dafür gemacht sind, hat man sich ja schon gewöhnt. Aber hier handelt es sich ja sogar um klassischen Einzelhandel, Old Economy sozusagen. Die Kombination mit dem Internet als zusätzlichem Kommunikationsmedium bietet eigentlich ideale Voraussetzungen für optimale Service-Angebote und einen intensiven Kundendialog. Theoretisch jedenfalls.

Aber man müsste die Chancen natürlich auch nutzen. So kann ich auch bei irgend einem Versandhändler bestellen und dabei noch 50 Euro sparen. Wundert sich da jemand über den Niedergang des klassischen Fachhandels? Ich nicht.

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Museum mit Bimmelbahn für 320 Mio. Euro

Zwar ändert all dies weiterhin nichts daran, dass auf den anderen U-Bahn-Linien mehr los ist. Dennoch bezeichnet Reetz die U 55 als „großartigen Erfolg“. Dafür hat sie zwei Erklärungen. „Im U-Bahnhof Brandenburger Tor locken die wunderbaren Ausstellungen über die Mauer und die Geschichte des Tores viele Menschen an. Und wer schon mal da ist, der fährt oft auch eine Runde“, sagte die Sprecherin. Auch gestern waren in der Station unterm Pariser Platz wieder viele „Seh-Leute“ unterwegs. „Das ist hier wie in einem Museum der Berliner Geschichte“, lobte einer der Besucher, Helmut Rose aus Tiergarten.

Via Berliner Zeitung

Wie heißt es im Internet-Slang so schön: LOL. Wird Zeit, dass ich auch mal 'ne Runde auf der 320-Millionen-Euro-Bahn drehe. Just for fun.

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Neulich im Kiez

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Das Wetter und andere Mysterien

Dass Wettervorhersagen bei aller heute zur Verfügung stehenden Technik zum Teil auch Glücksache sind, ist klar. Die Natur lässt sich nun mal nicht planen, sondern macht, was sie will. Und kann dabei durchaus sprunghaft sein.

Wenn aber noch gestern Abend für den heutigen Tag herrliches Sommerwetter versprochen wird, ich um sechs, um sieben und um acht  Uhr morgens aus dem Fenster gucke und einen dunklen, vollständig bedeckten Himmel sehe, dann noch mal die Wetterseite im Internet aufrufe und lese, dass jetzt, just in diesem Moment, hier die Sonne scheinen soll, genauso, wie man es ja vorausgesagt hat, dann frage ich mich schon: Wie kommen die darauf? Wo haben die ihre Informationen her? Sitzen die in fensterlosen, vollklimatisierten Räumen? Sind die Messgeräte kaputt, die Leitungen gestört?

Fragen über Fragen. Die wichtigste: Wie soll ich deren Vorhersage vertrauen, wenn sie nicht mal den aktuellen Status Quo richtig benennen können?

EDIT 12:35 Uhr: Es ist immer noch bedeckt. Keine Sonne, nirgends.

EDIT 14:45 Uhr: Die Sonne scheint.

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Berlin eröffnet neue Touristenattraktion

Den Steuerzahler kostete diese Drei-Minuten-Fahrt 320 Millionen Euro und starke Nerven. Insgesamt dauerte der U-Bahn-Bau 13 lange Jahre. [...] Für Verkehrsexperten ist die Mini-Strecke sogar einmalig in Europa und erinnert sie an einen Schildbürgerstreich. Berlin ist wohl die einzige Stadt, die U-Bahn-Waggons von einem Lastkran mit Stahlseilen in die Unterwelt hieven muss.

via n-tv

Da soll noch mal einer sagen, Berlin wäre arm. Ha! Welche andere Stadt kann sich schon eine Modellbahn im Maßstab 1:1 leisten?

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