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Wer hat's erfunden? Die Schweitzer, Eva.

Das sind Karrieren: Von einer unbedeutenden Aktivistin der Berliner Hausbesetzerszene zur Stellvertreterin des deutschen Journalismus in Amerika. Eva Schweitzer, Macbook-Besitzerin und bekennendes ADAC-Mitglied, hat geschafft, wovon viele träumen.

Aber der Ruhm hat seinen Preis. Als Autorin von Weltrang hat Frau Schweitzer nicht nur Neider und falsche Freunde zu ertragen, sondern sich auch der zahlreichen Schmarotzer zu erwehren, die sich an den Ergebnissen ihrer erfolgreichen Arbeit bereichern wollen. Besonders da draußen in diesem Internet wimmelt es ja nur so von Dieben, Fälschern und Plagiatoren.

Aber Eva weiß sich zu wehren und begibt sich nun ihrerseits auf die Jagd. Das heißt, sie lässt jagen, von einem "Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz", denn in ihrer Position macht man sowas natürlich nicht mehr selbst. Bei der groß angelegten "Schleppnetzfahndung" (sic!) gehen auch prompt einige dicke Fische ins Netz. Zum Beispiel Philipp, der vor anderthalb Jahren in seinem privaten Blog mit dem geistreichen Namen "nom nom nom" unverkennbar aus einem ihrer großartigen Artikel zitiert und zum Originalbeitrag bei Zeit online verlinkt hatte. Thema: Obama im Weltall (oder so ähnlich). Unbekanntere und weniger erfolgreiche Autoren würden sich über solche Anerkennung und Werbung sicher freuen, aber eine Berühmtheit wie Eva Schweitzer sieht das naturgemäß anders. Und so flattert Philipp eine Abmahnung nebst Zahlungsaufforderung über 2155 Euro ins Haus. 1200 für Frau Schweitzer, 955 für den Anwalt.

Es kommt, wie es kommen muss. Die Angelegenheit zieht in der Blogosphäre ihre Kreise, es geht hin und her, der Spreeblick berichtet exklusiv und Schweitzer wähnt sich "im Mittelpunkt eines internationalen Skandals", was aber möglicherweise ironisch gemeint ist. Man weiß es nicht, und genau das ist das Problem: Ihre Statements im taz-Blog starren vor Arroganz und sind ein beeindruckendes Zeugnis maßloser Selbstüberschätzung. Immerhin deutet sie großmütig an, den Delinquenten "vom Haken" zu lassen, möchte diese generöse Geste aber adäquat gewürdigt sehen. Denn, das betont sie abschließend noch einmal: Abmahnung und Geldforderung seien berechtigt, weil von ihr. Punkt.

Nein, sind sie nicht. Und ich stehe dabei nicht auf dem dünnen Eis formaljuristischer Argumentationen, sondern auf der deutlich solideren Grundlage des gesunden Menschenverstandes. Nur, weil sich etwas - möglicherweise! - juristisch durchsetzen lässt, ist es noch längst nicht ehrbar oder respektabel, geschweige denn klug. Als ehemalige Aktivistin der Hausbesetzerszene sollte Eva Schweitzer das eigentlich genau so sehen. Als Eigentümerin jedoch betreibt sie selbst eine Räumung aus Prinzip und wider jede Vernunft. So ändern sich die Zeiten.

Mit solchen Aktionen bringt sie aber nicht nur einzelne Personen in Schwierigkeiten, die sich im Grunde nichts haben zu Schulden kommen lassen. Das wäre schlimm genug. Sie stellt außerdem ein System in Frage, von dem bisher alle Seiten profitiert haben: Das Erwähnen, Zitieren undVerlinken von Textbeiträgen im World Wide Web. Zigtausende von Blogs machen davon Gebrauch und führen Anbietern damit Leser zu, die sie sonst nie erreicht hätten.

Aber vielleicht ist ja auch Eva Schweitzer ein tragisches Opfer des unheimlichen Google-Virus und wir sehen hier einen weiteren verzweifelten Versuch, zu retten, was nicht zu retten ist: Der Journalismus, wie er früher einmal war.

Ich bin allerdings immer weniger der Meinung, dass er es wert ist.

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Under Construction

Heute Morgen, 19. Oktober 2009, 6:30 Uhr MEZ in meinem elektronischen Postfach:

Na, herzlichen Glückwunsch ...

Auch zu der Kampagne.

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Lifestyle-Experten unter sich

Wie nennt man eigentlich Herausgeber, die nichts herausgeben? Nicht einmal Honorare?

fragt Michalis Pantelouris auf print-würgt.de. Mögliche Antworten bitte dort in die Kommentare.

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Neues aus Absurdistan

Der Dolmetscher aus Berlin hatte Mitte August bei einer Zwangsversteigerung die 500 Meter lange Straße „Am Mühlenberg“ samt Kanalisation und Laternen für 1000 Euro erworben. Zwei Mitarbeiter des Bauamtes Beetzsee sollten bei der Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht Potsdam die Straße für einen Euro kaufen, für eine höhere Summe fehlte ihnen das Mandat – mit einem Mitbieter hatten sie nicht gerechnet.

Man sollte doch wieder mehr Zeitung lesen. Insbesondere die Versteigerungsanzeigen. Da lassen sich offenbar echte Schnäppchen finden. Und so 'ne Straße kann man ja immer brauchen.

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Keep it simple and show

Tolle Sache, dieses simpleshow. Die Darstellungsform an sich ist wahrlich nicht neu, aber die Idee, die Abläufe dahinter zu straffen und das Ganze als Standard-Produkt zu vermarkten, finde ich ziemlich gut. Umsetzung ist auch sehr gelungen, Hut ab. Darauf aufmerksam geworden bin ich durch Stefan Hagen vom pm-blog.

Aber soll sich simpleshow doch einfach selbst vorstellen. Film ab.

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Das Internet: Ein rechtsanwaltsfreier Raum

... Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Apropos: Fallen Träume eigentlich unter Meinungsfreiheit? Also, rein juristisch betrachtet. Wen könnte man denn da mal fragen? Ganz sicher nicht die Anwältin, die den weltbekannten Spielbekleidungshersteller JAKO in der Sache gegen den Fußballblogger Trainer Baade vertritt.

Wie, Sie kennen weder JAKO noch Baade? Sollten Sie aber, denn beide sind immerhin so berühmt, dass eine harmlose, wenn auch nicht unbedingt schmeichelhafte Äußerung von Baade über JAKO zu ernsten wirtschaftlichen Schäden dieses Unternehmens führt. Womit wir wieder bei der Meinungsfreiheit wären und den Gründen, warum ich besagte Anwältin für nicht geeignet halte, mir grundlegende juristische Fragen zu beantworten. Sie ist nämlich der Meinung Auffassung, dass der Satz „JAKO war schon immer das Aldi oder Lidl unter den Sportausrüstern“ nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt, sondern als unzulässige Schmähkritik einzustufen ist. Und eine solche hat ihren Preis: 1.940,80 Euro, um genau zu sein. Natürlich ohne Extras. Die werden gesondert berechnet. So kostet es beispielweise noch mal 5.100,00 Euro*, wenn sich der Beitrag mitsamt dem beanstandeten Zitat später auf irgendeiner Aggregator-Site wiederfindet. Dafür kann Baade zwar nichts, und sowas ist auch kaum zu verhindern, aber, so die überzeugende Argumentation der kompetenten Anwältin, er hätte halt das Internet(!) prüfen müssen. Genau, soviel Zeit muss sein, wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Aber noch mal zur Sache und dem beanstandeten Zitat. Ich geb's ja nur ungern zu - Asche auf mein Haupt -, aber mir war die Firma JAKO bis dato auch gänzlich unbekannt und insofern auch völlig schnurz. Um die Scharte auszuwetzen, habe ich jetzt umso intensiver recherchiert und muss sagen: Das Zitat ist natürlich völliger Unsinn. Aldi und Lidl gehören immerhin zu den Marktführern ihrer Branche und stehen für gute Qualität zum kleinen Preis. Nichts davon trifft auf JAKO zu.

Also, Trainer, das nächste Mal besser recherchieren, gelle!

PS: Dieser Beitrag gibt meine persönliche Meinung als Privatperson wieder. Im Zweifelsfall gilt der Grundsatz: Alles nur geträumt.

* Die Gewährung von Mengenrabatten liegt im Ermessen der rechnungstellenden Kanzlei.

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All you can buy (2)

Vor kurzem hatte ich ja schon mal über einen Fall erstaunlicher Ignoranz eines Webshop-Betreibers gegenüber Anfragen potentieller Kunden berichtet. Gestern nun ein neuer Fall, etwas anders gelagert, aber nicht minder erstaunlich.

Kurze Vorgeschichte: Demnächst ist bei mir ein neuer Rechner fällig. Vielleicht sogar in Kürze. Ich bin allerdings unschlüssig, ob es wieder ein Mac wird. Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, habe ich mich im Netz mal über Konfigurationen, Preise und Bezugsmöglichkeiten informiert. Eine meiner Anlaufstellen war ein kleinerer Mac-Händler mit zwei Filialen in Berlin, eine davon quasi hier bei mir um die Ecke. Ich habe dort auch schon ein paar mal was gekauft. Software, Tastatur, USB-Hub - Kleinkram halt. Persönlich bekannt bin ich in dem Laden nicht. Nun hat dieser Händler auch einen Webshop, was lag also näher, sich da mal über aktuelle Mac-Angebote zu informieren. Denn wenn ich mich doch wieder für Apple entscheiden sollte, dann ist es ja von Vorteil, den Lieferanten in der Nähe zu haben. Und preislich nehmen sich die Anbieter ja sowieso nicht viel.

Ich habe also besagte Website besucht und bin dabei so ganz nebenbei über ein sehr günstiges Angebot für eine kleine, externe Festplatte gestolpert. Die würde gut zu meinem Netbook passen. Da ich aus eigener Erfahrung nun aber weiß, dass in dieser Filiale verständlicherweise nicht immer alle Artikel vorrätig sind, schrieb ich eine kurze Mail:

Schönen guten Tag,

bei der Suche nach aktuellen iMac-Angeboten habe ich in Ihrem Online-Store die [Festplatte] entdeckt. Ist es möglich, zwei Stück vorzubestellen und in den nächsten Tagen in der [Filiale] abzuholen? Oder sind sie dort gar vorrätig?

Und wenn ich gerade dabei bin: Liefern Sie neue iMacs mit Snow Leopard aus?

Beste Grüße

[komplette Signatur mit Adresse, Telefonnummer usw.]


Die Antwort des Geschäftsführers(!) ließ auch nicht lange auf sich warten (knapp 2 Stunden). Wortlaut (sic!):

HALLO DIE PLATTEN SIND VORRÄTIG

Das war's. Ende der Durchsage. Gut, die für mich in dem Moment wichtigste Frage war beantwortet, insofern will ich mich gar nicht beklagen. Aber - du lieber Himmel, da war doch viel mehr drin!

Ich selbst wäre mit Sicherheit ein lausiger Verkäufer, aber wenn ich in der Funktion so eine Mail bekäme, dann würde ich hellhörig und würde nicht nur die zweite Frage nach dem iMac beantworten, sondern das auch noch mit einem Angebot verbinden. Oder mit einer Einladung, sich das neue Betriebssystem doch mal live anzusehen. Oder was auch immer. Es gäbe da wirklich unendlich viele Möglichkeiten.

Und wenn man's mit dem Schreiben vielleicht nicht so hat, dann greift man eben zum Telefon und ruft den Interessenten schnell mal an. Das wäre im gegebenen Zusammenhang völlig in Ordnung gewesen, schließlich hatte ich ja eine Frage gestellt und meine kompletten Kontaktdaten angegeben.

Aber nein. Nichts von alledem. Die Platten sind vorrätig. Immerhin. Ich werde wohl eine kaufen. Es ist aber tatsächlich gut möglich, dass ich mich bei einer geschickten, positiven Herangehensweise des Verkäufers auch von mehr hätte überzeugen lassen. Vielleicht habe ich mir das in meiner Unentschlossenheit sogar gewünscht. Als Kunde funktionieren bei mir ja die selben Mechanismen wie bei allen anderen.

Aber das werden wir jetzt wohl nicht mehr herausfinden. Es ist wirklich ein Trauerspiel. Daran, dass im Internet Leute zu Verkäufern werden, die eigentlich gar nicht dafür gemacht sind, hat man sich ja schon gewöhnt. Aber hier handelt es sich ja sogar um klassischen Einzelhandel, Old Economy sozusagen. Die Kombination mit dem Internet als zusätzlichem Kommunikationsmedium bietet eigentlich ideale Voraussetzungen für optimale Service-Angebote und einen intensiven Kundendialog. Theoretisch jedenfalls.

Aber man müsste die Chancen natürlich auch nutzen. So kann ich auch bei irgend einem Versandhändler bestellen und dabei noch 50 Euro sparen. Wundert sich da jemand über den Niedergang des klassischen Fachhandels? Ich nicht.

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Der Auftrag (Drama in einem Akt)

Opa Konstantin erzählt mal wieder von früher („wir hatten ja gar nix!“) und auf fokussiert.com läuft eine Diskussion über Experten-Habitus im Allgemeinen und im Besonderen. Dieses Zusammentreffen der Themen „Damals“ und „Profi“ hat mich an ein fast vergessenes Werk von zeitloser Tiefgründigkeit erinnert, welches ich kurz nach der Jahrtausendwende verbrochenfasst habe, zu einer Zeit, als plötzlich jeder Schrauber zum „Webdesigner“ und jede Schilderbude zur Marketing-Agentur wurde.

Ein guter Zeitpunkt, es wieder mal aus der Schublade zu kramen und ans gleißende Licht der Öffentlichkeit zu zerren. Denn soo viel hat sich seit dem ja gar nicht verändert ...


DER AUFTRAG (Drama in einem Akt)

Personen:

M., Webdesigner, Mitte 20, Nike-Turnschuhe, Jeans und Lacoste-Shirt
S., Handwerker, Anfang 50, Arbeitsschuhe, Flanellhemd und Blaumann

Ort: Eine Kleinstadt in D.

Zeit: Gegenwart [so um 2001/2002]


ERSTER UND EINZIGER AKT

[Vorhang geht hoch: Ein schäbiges Büro, schnummriges Licht, durch Zigarettenqualm zusätzlich vernebelt, mehrere Computerbildschirme, zugemüllter Schreibtisch, Gläser, Kaffetassen, volle Aschenbecher, überall liegen Fachbücher und -zeitschriften gestapelt.]

M. [sitzt am Schreibtisch und haut mit der flachen Hand auf den Monitor]: "Mist!"

[Es klopft, S. steckt den Kopf durch die Tür]

S.: "Guten Tag, bin ich hier richtig? Der Handwerker, ich hatte angerufen ..."

M [springt auf]: "Aber sicher, immer rein in die gute Stube! [schüttelt S. die Hand] Schön, dass Sie doch noch kommen konnten!"

S. [tritt ein]: "Ja, also, man hat mir gesagt ..."

M. [lacht gönnerhaft]: "Ja ja, ich weiß schon, Sie wollen auch endlich ins Netz. Goldrichtige Entscheidung. Geht ja gar nicht mehr anders, heutzutage. Gerade als Handwerker! No Problem, da sind Sie bei mir genau richtig!"

S.: "Ja, schon, aber ..."

M.: "Naa, nicht gleich so negativ. Tut doch nicht weh! [lacht und klopft S. jovial auf die Schulter] Am besten, Sie setzen sich erst mal." [drückt S. auf den Besucherstuhl]

S. [lächelt gequält]: "Wenn Sie meinen ..."

M.: "No Problem. [setzt sich auch] Käffchen?"

S.: "Nein, danke, aber wenn Sie vielleicht ein Bier ...?"

M.: "Haach, zu dumm, hab' gerade heute Morgen das letzte getrunken, sorry" [zuckt bedauernd die Schultern]

S.: "Macht nichts, ich wollte ja sowieso ..."

M.: "Genau mein Motto, keine Zeit vergeuden, am besten gleich gleich zur Sache kommen. [lacht] Wo lassen Sie denn hosten?"

S.: "Äh, was bitte?"

M.: "Na Hosting, Webspace, virtueller Server - Sie wissen schon."

S. [verwirrt]: "Also, äh - so auf Anhieb ..."

M. [mitleidiger Blick]: "Ach so, verstehe ... [dann kumpelhaft:] Na, macht ja nix. Ich kümmere mich um alles, no Problem. Full Service sozusagen [verschwörerisch:] Ich hab da einen Provider an der Hand - Top-Sörver, sag ich Ihnen: Pe-Ha-Pee, Mai-es-kuh-ell, Pörl, Pe-oh-pee und Speicher ohne Ende. Und Kronndschobbs. Und freie Ze-ge-ihs, da können Sie coden, bis der Arzt kommt. [lacht] Und der Hammer: Mit echter Ai-Pih! Läuft natürlich alles auf Linux."

S.: "Na ja ..."

M. [kühl]: "Hm, wenn's unbedingt sein muss, geht auch Windows ..."

S. [freudig]: "Windows kenn' ich!"

M. [pikiert]: "Na bitte - no Problem. [sammelt sich] Wie soll sie denn eigentlich heißen?"

S.: "Wer?"

M.: "Na, die Domain"

S.: "Tja, also, da weiß ich jetzt gar nicht ..."

M.: "No Problem. Da fällt mir schon noch was ein. Ich tscheck das nachher mal beim Deenick. Was halten Sie von nem Fläsch-Intro?"

S.: "Was ich - nun ja ..."

M.: "Fläsch ist absolut in. [insistierend:] Wenn man was richtig Innovatives haben will ..."

S. [lächelt unsicher]: "Wer will das nicht."

M. [frohlockt]: "Genau die richtige Einstellung, so ist's recht. [zerrt eifrig ein Notebook unter einem Stapel Zeitschriften hervor und klappt es auf] Ich zeig' Ihnen da mal was. Vielleicht doch 'n Käffchen?" [vertieft sich in sein Notebook]

S.: [schüttelt den Kopf, murmelt]: "Danke."

[Stille]

M.: "Ach, da isse ja!

S. [dreht sich zur Tür]: "Wer?"

M. [voller Stolz]: "Hier, das Fläsch-Intro, ist das nicht megacool? Hat mich volle drei Tage gekostet! [sieht S. erwartungsvoll an]

S.: "Mhmm, nett ..."

M. [erbost]: "Nett? Das ist der absolute Hammer! [gönnerhaft:] Na ja, Sie kennen sich halt nicht so aus."

S.: "Nein."

M. [besänftigt]: Also, dann machen wir das so. [zählt an den Fingern ab] Erstens Fläsch-Intro, dann die eigentliche Hompäidsch mit animierter Jott-Ess-Navi und fünf Seiten ..."

S. [irritiert]: "Fünf Seiten?"

M. [großzügig]: "Okay, sechs. No Problem. Plus Ze-ge-ih-Mäil mit allen Schikanen! Brauchen Sie einen Schopp?"

S.: "Einen - äh, nein, nicht, dass ich wüsste ..."

M. [ungebremst]: "Aber ein Gästebuch. Gästebuch kommt immer gut. Das sollte man auf jeden Fall haben. [erklärend:] Schon wegen dem Fiedbäck."

S. [blickt nervös auf die Uhr]: "Wenn Sie es sagen ..."

M.: "Genau, vertrauen Sie mir. Ich bin Experte, ich kenn mich da aus. Also ... [grabscht nach einem Zettel und notiert] Ein mal Fläsch-Intro, Hompäidsch, Jott-Ess-Navi, fünf Seiten ..."

S.: "Sechs!"

M.: "Was? Ach ja, SECHS Seiten, Pe-ha-pe, Ce-ge-iih-Formular, Gästebuch ... - Datenbank?"

S.: [zuckt mit den Schultern]

M.: "Also mit Datenbank. Kann man immer brauchen."

S.: "Sicher. Wir müssten aber jetzt mal kurz über ..."

M.: "Die Kosten, klar, no Problem, Meister [überfliegt den Zettel] Mit schlappen vier Mille sind Sie dabei!"

S.: [überrascht]: "So viel?"

M.: (beleidigt): "Also, hören Sie, ich bin schließlich Profi! Haben Sie eine Ahnung, wieviel Arbeit da drin steckt? Das haben Sie doch ruck zuck wieder raus! [beschwörend:] Ist doch Marketing!"

S.: [blickt auf seine Armbanduhr]: "Schon, aber ich müsste jetzt sowieso ..."

M.: "Na schön, tausend, weil Sie es sind. Aber dann ohne Fläsch!"

S.: "Wie, ohne Fläsch?"

M. [seufzt]: "Also schön, mit Fläsch. Aber ohne Datenbank!

S. [steht auf]: "Wie Sie meinen. Ich muss aber jetzt wirklich ..."

M. [springt auf, verzweifelt]: "Aber Sie müssen doch ins Internet! [stammelt] Das ... Das müssen doch alle. Ich bin wirklich gut. Ich kann echt super programmieren. Soll ich Ihnen noch mehr zeigen? Wie wär's mit rot? Ich habe da mal ein geiles Läiaut in rot gemacht. Oder mögen Sie etwa kein rot? ...

S. [tastet sich ängstlich zur Tür]: "Äh, doch, rot ist schön. Aber ...

M. [klammert sich an S. fest]: "Fünfhundert! Mein letztes Wort! In rot! Und ein Jahr Service!"

S. [schlägt panisch um sich]: "Lassen Sie mich los!"

M. [sinkt verzweifelt zu Boden]: "Sie können doch jetzt nicht einfach gehen. Warum sind Sie denn überhaupt gekommen, wenn Sie doch keine Internet-Seiten von mir wollen? Wir hatten doch telefoniert!" [weint bitterlich]

S. [verharrt überrascht]: Äh, das muss wohl jemand anders gewesen sein. Ich bin Installateur und sollte im Auftrag der Hausverwaltung nach der Heizung sehen!"

M.: [stiert S. mit irrem Blick verständnislos an]

S. [tröstend]: "Das wird schon wieder." [geht ab]

[M. sinkt schluchzend vollends zu Boden]

Vorhang ...

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All you can buy

Wenn einer online shoppen geht, dann kann er was erzählen ...

Vorgestern im Internet: Bei Recherchen stoße ich auf einen interessanten Buchtitel und stelle zwei Klicks weiter fest, dass es ihn bei einem eBook-Verlag auch in digitaler Form zum Sofortdownload gibt. Ist ja praktisch. Der Anbieter macht mich zudem netterweise noch auf seine Flatrate aufmerksam, mit der ich ein Jahr lang alle verfügbaren Titel herunterladen könne. Warum eines kaufen, wenn man alle haben kann? Hm, klingt wirklich nicht schlecht. Okay, überredet, jetzt aber schnell Account angelegt, das Produkt in den Warenkorb und ab zur Kasse. Zahlungsmöglichkeiten: Bank, Click and Buy, Paypal, Kreditkarte, electronic cash und irgendwas mit Telefon. Mehr geht nicht. Super Laden.

Ich entscheide mich für Paypal, denn da habe ich eh noch ein Guthaben. Passt doch. Jetzt nur noch einloggen, die Zahlung aus dem Guthaben bestätigen und - nix.

„Der Verkäufer akzeptiert nur Sofortzahlungen."

Wie, nur Sofortzahlungen? Noch sofortiger als sofort mit Paypal-Guthaben? Aber es hilft alles nichts, das Zahlungsmodul bleibt stur. Na gut, kann ja passieren. Mit einer Mail sollte die Sache schell zu klären sein. Einen Punkt „Support“ oder ähnliches gibt es nicht, also „Kontakt“. Ein Formular. Die mag ich nicht besonders, weil man nicht nachvollziehen kann, wann man was geschrieben hat. Im Impressum ist auch keine E-Mail-Adresse angegeben. Muss man in der Schweiz wohl nicht. Also doch das Formular. Von dem thumbnailgroßen Eingabefeld lasse ich mich nicht abschrecken und tippe optimistisch meinen Text hinein:

Guten Tag, ich wollte eben eine Flatrate „kaufen“ und mit meinem
Paypal-Guthaben bezahlen, musste den Vorgang aber unverrichteter Dinge
abbrechen, weil: „Der Verkäufer akzeptiert ausschließlich
Sofortzahlungen.“ ... Was immer das heißen mag. Und nun?

Eine halbe Stunde später. Mail-Eingang. Boah, das ging ja schnell. Hut ab. Mal sehen, was sie geschrieben haben:

Sehr geehrter Herr Dingens*,

 vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Anfrage.

Wir bieten diverse Zahlungsmöglichkeiten an, darunter Kreditkarte (Amex, Visa, Mastercard), Firstgate, PayPal sowie Online-Überweisung (eine Art Onlinebanking) sowie Lastschrift. (Anbei ein Screenshot der Zahlungsmöglichkeiten)

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen unserer eBooks.

Äh - hallo? Haben Sie meinen Text überhaupt gelesen? Ich kenne die Zahlungsmöglichkeiten und hatte mich bereits für eine entschieden. Mit der klappt's aber nicht. Was ich wissen wollte war: Wieso nicht? Und um Vergnügen beim Lesen der eBooks zu empfinden, müsste ich sie ja erst mal kaufen können.

Ich bin genervt. Wozu schreibe ich denen eigentlich? Kann doch nicht so schwer sein, kurz auf eine konkrete Problembeschreibung einzugehen. Meine Replik fällt entsprechend aus:

Danke, aber auf diesen Textbaustein hätte ich gut verzichten können.

Also, noch mal ganz langsam für das Voice-Modul:

Zah-lung per Pay-pal funk-ti-o-niert nicht.

Aber bitte, wer nicht will, der hat schon. Und ich verfüge über ein weiteres Beispiel zum Thema „Probleme und Risiken des halbautomatisierten Kundensupports“.

Mit freundlichen Grüßen

So, mal sehen, ob sie das auf sich sitzen lassen oder doch so etwas wie Online-Shop-Betreiber-Ehre besitzen. Immerhin verkaufen sie ja selbst Bücher zum Thema Kundenbindung, -service und  -kommunikation. Vielleicht lesen sie ja ab und zu auch mal eines davon. Die Antwort lässt leider nicht darauf schließen:

Sehr geehrter Herr Dingens*,

vielen Dank für Ihre Kom-mu-ni-ka-ti-on.

Das beschriebene Problem wurde entsprechend weitergeleitet und die aufgeführten Zahlungsmöglichkeiten sollten Ihnen lediglich Alternativen bieten.

Ende der Nachricht. Ende des Dialogs.

Das „Problem“, welches hier an wen und in welcher Absicht auch immer weitergeleitet wurde, tritt übrigens, wie ich im Nachhinein recherchiert habe, offenbar dann auf, wenn der Verkäufer die Zahlungsmöglichkeiten bei Paypal auf Kreditkarte beschränkt, Paypal also quasi nur als weiterer Acquirer oder als Gateway fungiert. Mit dem, was man normalerweise unter Paypal-Zahlung versteht, hat das natürlich wenig zu tun.

Nun zwingt ja niemand einen Shop-Betreiber, Paypal als Zahlungsmöglichkeit anzubieten. Wenn er es dennoch tut, dann sollte es auch Paypal-mäßig funktionieren, also zum Beispiel mit Zahlung aus einem bestehenden Guthaben. Denn das ist meines Erachtens der Sinn eines solchen Dienstes. Und in 99,9 Prozent der Fälle wird er auch so genutzt.

Soweit der technisch-funktionale Hintergrund. Hätte man mir den Sachverhalt einigermaßen freundlich so erklärt, dann hätte ich mich ob der Täuschung und der verlorenen Zeit zwar auch etwas geärgert, aber wohl dennoch gekauft und halt eine andere Zahlungsart gewählt. Nobody's perfect. Wer potentiellen Kunden gegenüber aber so unverblümt seine Gleichgültigkeit demonstriert, der bekommt keinen Cent von mir, egal auf welchem Wege.

Ich warte auf den Tag, da ein Betreiber eines Online-Shops endlich mal den Mumm zeigt, gleich auf der Startseite offen seine Philosophie zu erläutern. Hier mein Vorschlag für einen entsprechenden Mustertext:

Sehr geehrte Kunden,

wir haben diesen Shop ins Netz gestellt, weil wir mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld verdienen wollen. Wenn wir uns ständig mit den Wünschen und Problemen anderer Menschen beschäftigen wollten, dann hätten wir ein reales Ladengeschäft in der Fußgängerzone einer Großstadt eröffnet. Will sagen: Wir wollen zwar ihr Geld, ansonsten aber möglichst wenig mit Ihnen zu tun haben. Sollten Sie also irgendwelche Probleme oder Fragen haben: Behalten Sie's am besten für sich. Es gibt zwar ein Kontaktformular, das ist leider Pflicht, und wir haben auch drei Textbausteine als mögliche Antworten vorbereitet, aber erwarten Sie bitte keinen individuellen Service oder persönliche Kommunikation. Dergleichen ist in unserem Geschäftsmodell nicht vorgesehen.

Sollten Sie mit diesen Bedingungen nicht einverstanden sein, dann kaufen Sie halt woanders. Uns ist das egal, solange trotzdem genug dabei herumkommt. Und 90 Prozent unserer Kunden haben keine Fragen oder Probleme. Die kommen, kaufen und zahlen, ohne irgendwelchen Ärger zu machen. Darüber sollten Sie nachdenken, bevor Sie versuchen, mit uns in Kontakt zu treten.

Allen anderen wünschen wir viel Spaß mit unseren Produkten!

Ich glaube, ich würde dort sogar eine Kleinigkeit kaufen. Als Anerkennung für die offenen Worte. Vorausgesetzt natürlich, die Zahlung würde klappen ...

PS: Ich habe das Buch übrigens jetzt im Buchladen hier um die Ecke bestellt.

(* Name von der Redaktion geändert)

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Gratiskultur: Google fordert neue Opfer

Der „Tagesspiegel“ plant gleich zwei kostenlose Printtitel, die dem Verlag dabei helfen sollen, die Anzeigenerlöse zu steigern und neue Zielgruppen zu erschließen. Nun denn ...

Und auch der Klett-Verlag macht mit beim Festival der Gratiskultur. Sein Beitrag: Wörterbücher, Übersetzungs- und Rechtschreibhilfen. Alles komplett online und kostenlos abrufbar. Hoffnung: Höhere Werbeumsätze und Ankurbelung des Old-Economy-Geschäfts. Ja, dann ...

 Was das alles mit Google zu tun hat? Fragen Sie Michael Konken


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