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World Wide Westerwelle

Keine Ausnahme für die britische BBC: Bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg hat sich FDP-Parteichef Guido Westerwelle geweigert, eine Frage auf Englisch zu beantworten - nicht einmal anhören wollte er sie. "Wir sind hier in Deutschland", schalt er den Reporter.

Via Spiegel online

Super Bewerbung als Außenminister. Für den Antrittsbesuch in England wird sich die Sun sicher was ganz Besonderes einfallen lassen. Sehr wahrscheinlich liegt die Titelseite schon fertig in der Schublade.

Tja, Guido, jetzt beginnt auch für dich der Ernst des Lebens. Vorbei mit Spaßpolitik, unverbindlichem Geschwätz und neckischen Posen. Ab sofort wird zurückgelacht.

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Analysen (I)

Dass eine schwarz-gelbe Regierung nun trotzdem zustande kommt, verdankt Merkel einer FDP, die vom Wähler in einer Art und Weise aufgeblasen worden ist, wie es die Demoskopen vor kurzem noch kaum für möglich hielten.

"Aufgeblasen" ist genau das richtige Wort.

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Ertrunken im Web 2.1

Das Opfer: Hans-Martin Schulze, 24 Jahre alt, Pharmazie-Praktikant aus Oldenburg, Kandidat bei der Pro-Sieben-Samstagabend-Show "Schlag den Raab" und derzeit wohl einer der meistgehassten Menschen im deutschsprachigen Web 2.0. Die Täter: Gwendolin, alexcarn, drcox1882 und tausende, zumeist anonyme Internetnutzer, die den jungen Mann am vergangenen Wochenende auf Twitter, Youtube, Studivz oder Facebook in Echtzeit durch das soziale Netz fallen ließen. Dies ist ein Portrait über Webmobbing.

Die Effizienz eines Mediums sagt halt nichts über die Qualität der Inhalte aus, und sie macht die Nutzer auch nicht zu anderen Menschen, geschweige denn besseren. Und ich fürchte, nicht mal zu klügeren.

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Verbraucherschutz: Aigner gegen alle

Trotzdem hat es die Lebensmittelindustrie dank gezielter Lobbyarbeit geschafft, dass der vorliegende Verordnungsentwurf der Europäischen Kommission zur Nährwertkennzeichnung sogar ein Verbot der Ampelkennzeichnung enthält. [...]

Obwohl die Mehrheit der Kunden das Ampel-System will, und obwohl es von Seiten der Krankenkassen und Verbraucherschützer inzwischen massiven Widerstand gegen den vorliegenden Entwurf gibt, hält sich Aigner nach wie vor bedeckt. Auf den offenen Brief der Krankenkassen, die eine Überarbeitung des Entwurfes forderten, hat Aigner bislang nicht reagiert.

Fassen wir das Ganze noch mal zusammen. Für die Ampelkennzeichnung sind:

- Verbraucher
- Verbraucherschützer
- Ernährungswissenschaftler
- Krankenkassen
- Berater des zuständigen Ministeriums

Dagegen:

- Lebensmittelindustrie
- Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz(!)

Ja, ich bin ein Schelm und denke Böses dabei!

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Apropos Beatles ...

Als Beatles-Fan muss man seine Vorliebe ja selten begründen, geschweige denn sich dafür rechtfertigen. Und falls doch, kann man einfach Andere für sich sprechen lassen:

„Ich kann mich noch erinnern, wie ich zum ersten Mal die Beatles hörte. Es war 1964. Ich stand in der Einfahrt und hielt mein Ohr an unser winziges Tranistorradio. Ich hörte zum ersten Mal 'I Want To Hold Your Hand', das Radio knisterte und störte, dennoch kam es mir vor, als hätte ich soeben die Stimme Gottes gehört. Es war das Unglaublichste, was meine Ohren je vernommen hatten, und es bewegte mich auf eine Art, wie ich es zuvor noch nicht gekannt hatte. Musik wurde für mich zur Obsession.“
(Melissa Etheridge, Musikerin)

„John Lennon und Paul McCartney waren Ausnahme-Songwriter. McCartney war und ist als Musiker ein echter Virtuose. George Harrison war zwar nie die Sorte Gitarrist, die einem blendende Soli um die Ohren haut, aber man kann die Melodien fast aller seiner Breaks singen. Und sie passen perfekt ins jeweilige Arrangement. Ringo Starr trommelte mit einem einzigartigen feel, das bisher noch keiner kopieren konnte, auch wenn es viele gute Schlagzeuger versucht haben. Und das Wichtigste: John und Paul waren fantastische Sänger.“
(Elvis Costello im Rolling Stone Magazine)

„Sie machten Dinge, die sonst niemand tat. Jeder dachte, sie würden bald wieder verschwinden. Für mich war es offensichtlich, dass sie eine bleibende Macht waren, die die Richtung zeigte, in die Musik zu gehen hatte.“
(Bob Dylan)

„Eigentlich war der damals so genannte Beat, die gehobene Popmusik, nicht unbedingt meine Welt. Doch die Beatles mit ihren besten Stücken hatten mir die Brücke zum Pop gebaut. Ich war so angeturnt, dass ich, anders als viele Kollegen, keine Probleme hatte, mich vom Jazz- auf den Rock-Rhythmus umzustellen.“
(Udo Lindenberg, deutsche Rock-Legende)

„Ich saß total bekifft in meinem Haus im Laurel Way, als ich erstmals 'Rubber Soul' hörte. Ein Kumpel kam vorbei und stammelte: 'Das musst du dir geben, Du wirst ausrasten.' Was ich dann auch tat. Ich drehte nahezu durch. Ich hörte das Album viermal in Folge und war derart überwältigt, dass ich zwei Nächte lang nicht schlafen konnte. Dabei kann ich nicht mal genau erkären, warum ich beinahe den Verstand verlor. 'Rubber Soul' erschien mir wie eine Sammlung von Folk-Songs, die irgendwie alle miteinander zusammenhingen. Sie verwendeten noch immer die gleichen Instrumente und schafften es dennoch, völlig neuartig zu klingen. Es war das erste Mal, das ich ein Rock-Album hörte, auf dem jeder Song tatsächlich richtig gut war.“
(Brian Wilson, Chef-Beach Boy, Musiker und Songwriter)

„Als John 'Strawberry Fields Forever' anschleppte, hat es mich fast von den Füßen gehauen. Paul war genauso beeindruckt. Zwei Wochen später kam Paul mit 'Penny Lane'. Es war seine Antwort auf 'Strawberry Fields'. So funktionierte der Wettbewerb, die Konkurrenz zwischen ihnen. Das war für sie lebenswichtig. Als sie sich trennten, fehlte es beiden fürchterlich.“
(George Martin, Produzent)

„[...] In «Così fan tutte» spiele ich auch die Rezitative selber, und da es eine 60-er-Jahre-Inszenierung ist, kann ich im 2. Akt immer ein kleines Zitat aus dem Beatles-Repertoire einschieben. Bei jeder Vorstellung bringe ich ein neues Lied, und die Musiker warten schon darauf.“
(Simone Young, Musikerin und Dirigentin)

„Wir verneigen uns vor dem musikalischen Gesamtwerk der Beatles. Denn es ist eine unglaubliche Leistung, in einer solch relativ kurzen Wirkungsphase über 260 Songs zu veröffentlichen, zahlreiche Hits zu landen und dann auch noch nebenbei diverse Neuerungen in die Musikgeschichte einzubringen. Davor muss ich mich als Künstler, als Komponist und als Gitarrist verneigen.“
(Dieter Kirchenbauer, Musiker und Komponist)

„Diese Burschen sind größten Komponisten seit Beethoven.“ - „Die Musik der Beatles wird mit Sicherheit so lange bestehen bleiben wie die Werke von Brahms, Beethoven und Bach.“
(Leonard Bernstein, Komponist und Dirigent)

„Wir mögen den Sound nicht und ausserdem ist Gitarrenmusik sowieso am aussterben.“
Ein Manager von Decca Recording Co. (1962 bei der Ablehnung der Beatles)

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The Beatles: Wiedervereinigung am 09.09.09

Unsummen wurden den Beatles nach der Trennung für einen einzigen Liveauftritt geboten. Beträge, gegen die selbst italienische Lotto-Jackpots wie die Portokasse eines mittleren Taubenzüchtervereins wirken. Leider vergeblich. Doch am nächsten Mittwoch, dem 09.09.09, soll es endlich wieder heißen: „Ladies and Gentlemen - The Beatles!“ Denn dann soll das Videospiel „The Beatles: Rockband“ vorgestellt werden, das die Fab Four virtuell wiederauferstehen lässt. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wird man als Spieler dabei in die Rolle eines belieibigen Bandmitglieds schlüpfen und ein Instrument seiner Wahl spielen können. Als multimediale Karaoke-Variante sozusagen. Na ja ...


Außerdem erwartet man, dass an diesem Tag mit dem markanten Datum - möglicherweise von Steve Jobs himself - die Verfügbarkeit der gesammelten Beatles-Werke im iTunes-Store bekannt geben wird. Dieses Gerücht ist zwar schon so alt wie die Menschheit der iTunes Store, aber die technischen Voraussetzungen scheinen inzwischen immerhin tatsächlich erfüllt zu sein. Von wegen digitally remastered und so.

Einen eingefleischten Beatles-Fan wie mich lässt das alles relativ kalt. Ich habe die Beatles schon längst digital: Als MP3-Files in iTunes, hihi. Und wenn ich sie in Aktion sehen will, dann lege ich eine DVD der großartigen, fast 11-stündigen Anthology-Dokumentation ein. Genau, könnte ich eigentlich mal wieder machen. Also, ich bin dann mal weg ...

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Liebling der Woche: Charlotte Roche

Charlotte Roche in einem Spiegel-Interview über die Bild-Zeitung (via Bildblog):

SPIEGEL: Wie finden Sie die aktuelle "Bild"-Werbekampagne mit Prominenten?

Roche: Widerlich. Es gibt eine Liste in meinem Kopf, und da werden Personen gestrichen: Supernanny – fand ich nett, ist jetzt gestorben. Werbung für "Bild", völlig untendurch, egal, was die noch sagt. Es sind ja auch Leute darunter, die selbst viel gegen "Bild" klagen. Das ist doch eine fiese Doppelmoral. [...]

Dem ist von meiner Seite nichts hinzuzufügen.

[...] Es arbeiten sicher ganz nette und unschuldige Menschen dort. Sie kommen trotzdem alle in die Hölle. Ich rede mit denen niemals. Das ganze Blatt basiert nur auf Esoterik, auf Fragen wie: "Wer ist gestorben?", "Wer hat geil Krebs?" und "Wer hat sich getrennt?"

Ich habe eben spontan beschlossen, Charlotte Roche ab sofort zu mögen.

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Frauen sind doch nicht anders

In der Liebe wirkt der Urtrieb. Frauen suchen sich nach wie vor Männer, die gut verdienen und ihnen Sicherheit bieten können. In einer unserer Studien sollten Frauen verschiedene Männer bewerten. Erst trugen die Männer die Uniform von Burger King. Die Frauen sollten angeben, wen sie attraktiv finden. Keiner hatte eine Chance. Später trugen dieselben Männer feine Business-Anzüge mit einer teuren Uhr am Arm. Sie waren alle sexy.

... Erzählt die Psychologin und Bestseller-Autorin Susan Pinker in einem SZ-Interview.

Aber wieso braucht man dafür eine Studie? Hätte ich ihr auch so sagen können. ;-)

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Danke, Steffi!

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben, wie man weiß. Und diese ist besonders gut.

Da ist eine Sportlerin, nennen wir sie Steffi, talentiert und schon in jungen Jahren recht erfolgreich, dann aber immer wieder zurückgeworfen durch Verletzungen und rätselhafte Leistungseinbrüche bei wichtigen Wettkämpfen. Die Nerven? Vielleicht. Erst mit Ende Zwanzig gelingt ihr der internationale Durchbruch. Ein dankbarer vierter Platz bei Olympia. Na bitte, es geht doch.

Und es geht noch besser. In den folgenden Jahren reiht sich Erfolg an Erfolg: Europameisterin, zweite und dritte Plätze bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen - das kann sich sehen lassen. Plötzlich interessieren sich auch die Medien für sie. Steffi spielt mit, lässt sich aber nie vereinnahmen. Sympathisch, intelligent und schlagfertig nutzt sie ihre Popularität nicht nur in eigener Sache, sondern auch als Botschafterin des Behindertensports. Sie wird mehrfach ausgezeichnet für ihre Fairness, ihr soziales Engagement und ihre vorbildliche Einstellung. Sie ist das, was man eine Vorzeige-Sportlerin nennt. Eine Persönlichkeit. Intelligent, selbstbewusst und engagiert.

Nur der ganz große sportliche Coup, bei Weltmeisterschaft oder Olympiade einmal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, will ihr einfach nicht gelingen. Irgendeine ist immer besser. Da kann man nichts machen. The winner takes it all. Steffi hat sich damit abgefunden, weiß, dass es mit jedem Jahr schwieriger wird. Der Ehrgeiz ist nach wie vor da, aber nicht krankhaft. Es gibt wichtigere Dinge. Noch wichtigere. Und irgendwann muss ja mal Schluss sein.

Dann, mit 37, also der letzte große Wettkampf. Weltmeisterschaft im eigenen Land. Da will sie noch mal alles geben, möglichst viel Wettkampfatmosphäre aufsaugen und ihre großartige Karriere mit einem guten Ergebnis würdig beenden. Sie ist wie immer gut vorbereitet, und wer weiß, wenn's optimal läuft - vielleicht klappt's ja sogar nochmal mit einer Medaille. Das wäre doch ein schöner Abschluss.

Und das Unglaubliche geschieht. An diesem Tag ist keine besser als sie. Steffi wird Weltmeisterin. Zum ersten Mal, in ihrem letzten Wettkampf. Als eigentlich niemand mehr ernsthaft daran geglaubt hat. Eine kleine Sensation - und eine große Story. Die Medien werden sie „Gold-Mädel“ und „Unsere Steffi“ nennen, sie vor Fernsehkameras und Fotoapparate zerren, sie immer und immer wieder nach ihrem Gefühlsleben befragen, hastig zusammengeschnittene Portraits senden und nicht geführte Interviews mit ihr veröffentlichen. The winner takes it all. Sie wird das alles geduldig ertragen. Und in ein paar Tagen wieder auf dem Trainingsplatz stehen. Als Diplomsportlehrerin in der Behindertenabteilung ihres Heimatvereins. Dort, wo das echte Leben stattfindet.

Ich sage nur: Herzlichen Glückwunsch, Steffi Nerius, zum Weltmeistertitel. Selten habe ich es jemandem so gegönnt wie Ihnen. Ich - nein, wir werden Sie vermissen!

http://www.steffi-nerius.de

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Der alte Mann und die Straße

Nach der Meldung, dass BMW aus der Formel Eins aussteigt, dachte man schon, dieser Millionen-Zirkus würde endlich zur Besinnung kommen. Und jetzt das. Nicht zu fassen! Bin gespannt, ob sie den wirklich noch mal auf die Piste lassen.


via SPIEGEL online

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