All you can buy (2)
Vor kurzem hatte ich ja schon mal über einen Fall erstaunlicher Ignoranz eines Webshop-Betreibers gegenüber Anfragen potentieller Kunden berichtet. Gestern nun ein neuer Fall, etwas anders gelagert, aber nicht minder erstaunlich.
Kurze Vorgeschichte: Demnächst ist bei mir ein neuer Rechner fällig. Vielleicht sogar in Kürze. Ich bin allerdings unschlüssig, ob es wieder ein Mac wird. Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, habe ich mich im Netz mal über Konfigurationen, Preise und Bezugsmöglichkeiten informiert. Eine meiner Anlaufstellen war ein kleinerer Mac-Händler mit zwei Filialen in Berlin, eine davon quasi hier bei mir um die Ecke. Ich habe dort auch schon ein paar mal was gekauft. Software, Tastatur, USB-Hub - Kleinkram halt. Persönlich bekannt bin ich in dem Laden nicht. Nun hat dieser Händler auch einen Webshop, was lag also näher, sich da mal über aktuelle Mac-Angebote zu informieren. Denn wenn ich mich doch wieder für Apple entscheiden sollte, dann ist es ja von Vorteil, den Lieferanten in der Nähe zu haben. Und preislich nehmen sich die Anbieter ja sowieso nicht viel. Ich habe also besagte Website besucht und bin dabei so ganz nebenbei über ein sehr günstiges Angebot für eine kleine, externe Festplatte gestolpert. Die würde gut zu meinem Netbook passen. Da ich aus eigener Erfahrung nun aber weiß, dass in dieser Filiale verständlicherweise nicht immer alle Artikel vorrätig sind, schrieb ich eine kurze Mail:Schönen guten Tag,bei der Suche nach aktuellen iMac-Angeboten habe ich in Ihrem Online-Store die [Festplatte] entdeckt. Ist es möglich, zwei Stück vorzubestellen und in den nächsten Tagen in der [Filiale] abzuholen? Oder sind sie dort gar vorrätig? Und wenn ich gerade dabei bin: Liefern Sie neue iMacs mit Snow Leopard aus?Beste Grüße[komplette Signatur mit Adresse, Telefonnummer usw.]
Die Antwort des Geschäftsführers(!) ließ auch nicht lange auf sich warten (knapp 2 Stunden). Wortlaut (sic!):
HALLO DIE PLATTEN SIND VORRÄTIG
Das war's. Ende der Durchsage. Gut, die für mich in dem Moment wichtigste Frage war beantwortet, insofern will ich mich gar nicht beklagen. Aber - du lieber Himmel, da war doch viel mehr drin! Ich selbst wäre mit Sicherheit ein lausiger Verkäufer, aber wenn ich in der Funktion so eine Mail bekäme, dann würde ich hellhörig und würde nicht nur die zweite Frage nach dem iMac beantworten, sondern das auch noch mit einem Angebot verbinden. Oder mit einer Einladung, sich das neue Betriebssystem doch mal live anzusehen. Oder was auch immer. Es gäbe da wirklich unendlich viele Möglichkeiten. Und wenn man's mit dem Schreiben vielleicht nicht so hat, dann greift man eben zum Telefon und ruft den Interessenten schnell mal an. Das wäre im gegebenen Zusammenhang völlig in Ordnung gewesen, schließlich hatte ich ja eine Frage gestellt und meine kompletten Kontaktdaten angegeben. Aber nein. Nichts von alledem. Die Platten sind vorrätig. Immerhin. Ich werde wohl eine kaufen. Es ist aber tatsächlich gut möglich, dass ich mich bei einer geschickten, positiven Herangehensweise des Verkäufers auch von mehr hätte überzeugen lassen. Vielleicht habe ich mir das in meiner Unentschlossenheit sogar gewünscht. Als Kunde funktionieren bei mir ja die selben Mechanismen wie bei allen anderen. Aber das werden wir jetzt wohl nicht mehr herausfinden. Es ist wirklich ein Trauerspiel. Daran, dass im Internet Leute zu Verkäufern werden, die eigentlich gar nicht dafür gemacht sind, hat man sich ja schon gewöhnt. Aber hier handelt es sich ja sogar um klassischen Einzelhandel, Old Economy sozusagen. Die Kombination mit dem Internet als zusätzlichem Kommunikationsmedium bietet eigentlich ideale Voraussetzungen für optimale Service-Angebote und einen intensiven Kundendialog. Theoretisch jedenfalls. Aber man müsste die Chancen natürlich auch nutzen. So kann ich auch bei irgend einem Versandhändler bestellen und dabei noch 50 Euro sparen. Wundert sich da jemand über den Niedergang des klassischen Fachhandels? Ich nicht.








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